bodrum

8 Sep

guten abend aus bodrum, wo ich, so wie jedes jahr, meinen sommer verbringe. sonne, strand, palmen und relaxte menschen rundherum- könnte man meinen, dennoch ist dieses jahr alles ganz anders als sonst. die stimmung hier erdrückt einen regelrecht.

auf der einen seite herrscht trauer um den dreijährigen syrischen flüchtling aylan, dessen leiche vor einigen tagen unweit von unserem dorf an land gespült wurde. auf der anderen seite zermürben uns die gefechte zwischen der türkischen armee und der pkk. eigentlich sollte sich das land längst daran gewöhnt haben, dass ständig bomben hochgehen und soldaten, polizisten und zivilisten sterben, dennoch will das hier niemand mehr hinnehmen und schon gar nicht will man sich daran gewöhnen, dass täglich dutzende 17-18-jährige soldaten für nichts und wieder nichts sterben müssen.

man kann sich noch so davor drücken, zeitung zu lesen oder nachrichten zu schauen- kaum ist man unter menschen, geht es wieder los mit hast du schon gehört, was gestern nacht passiert ist? und jeden tag kommen neue schreckensmeldungen dazu. es gibt hier kein anderes thema mehr als den tod. viele partys und feiern werden abgesagt, man bekommt ein schlechtes gewissen, wenn man es lustig hat.
so sieht es gerade in meiner ursprünglichen heimat aus und der ausgang dieser geschehnisse steht in den sternen beziehungsweise hängt er von den launen diverser entscheidungsträger ab. man wird sehen, wohin die wahlen im november das land hinführen werden.
vorgestern habe ich an einer demo für mehr menschlichkeit für flüchtlinge teilgenommen. der fußmarsch endete exakt an der stelle, wo der kleine aylan an land gespült und gefunden wurde. dort standen drei kleine sandhügel- symbolisch für drei gräber- für ihn, seinen bruder und seine mutter, die ebenfalls- neben einigen anderen- ertrunken sind.
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es war zwar ein grässliches gefühl, dort zu stehen, doch noch grausamer war es zu sehen, wie unbekümmert das leben dort nach kürzester zeit weitergeht, als sei nichts geschehen. einheimische und ausländische touristen, die schwimmen, grillen, picknicken, spielende und lachende kinder. die welt dreht sich weiter. ich bemerkte eine blutjunge touristin, die nicht wusste, dass der tote junge, den sie aus der zeitung kannte, genau hier gefunden worden war und als sie das erfahren hat, hat sie leise vor sich hingeschluchzt. sie war so getroffen davon, dass ich mir sicher bin, dass sie nie wieder an dieser stelle ins wasser gehen wird.
das mag alles sehr dramatisch klingen, doch ist in wirklichkeit alles noch viel dramatischer und kaum hat man eine schlechte nachricht verdaut und den schock darüber überwunden, wird dieser schock vom nächsen ereignis plattgedrückt und so verliert vieles seine tragik und wird zur täglichen routine, auch wenn man das nicht wahrhaben will.
dafür waren die nachrichten über die enorme hilfsbereitschaft in österreich und deutschland umso erfreulicher für mich und es bleibt zu hoffen, dass neben diesem ganzen wahnsinn auch weiterhin viel positives passiert und schnell lösungen gefunden werden, um das elend in grenzen zu halten, wobei mir das eher unwahrscheinlich erscheint, solange sich die situation in den kriegsgebieten nicht ändert.
b.
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