ida

19 Nov

eine novizin im kommunistischen polen der 1960er jahre auf selbstfindungstrip. gedreht in schwarzweiß.
obwohl ich mir ständig druck gemacht habe, ida von pawel pawlikowski sehen zu müssen, habe ich den kinobesuch so lange hinausgezögert, bis der film schließlich aus dem programm genommen wurde.
als ich vor kurzem die dvd in händen hielt, zeigte ich disziplin und schob sie in den player; im hinterkopf die hoffnung auf einen nicht all zu langweiligen filmabend…

das junge waisenmädchen anna ist kurz davor, ihr gelübde abzulegen; die oberin ordnet aber an, dass sie vorher ihre einzige familienangehörige, ihre tante wanda, kennenlernen soll, die einst abgelehnt hatte, anna bei sich aufzunehmen.
de erste begegnung erfolgt nüchtern:

– was haben sie dir über mich erzählt?

dass sie meine tante sind.
– das ist alles?
– ja. warum haben sie mich nicht aus dem waisenhaus rausgeholt?
– ich wollte nicht… du hättest es bei mir nicht gut gehabt… eine jüdische nonne bist du also geworden…

anna wusste bisher gar nicht, dass sie als jüdin geboren wurde, dass sie eigentlich ida heißt und dass ihre eltern und ihr bruder während des zweiten weltkrieges ermordet und in einem wald begraben wurden.

DSC04651

ihr ganzes leben lang war sie hinter den schützenden mauern des klosters vor ihrer dunklen familiengeschichte und den nachwehen des holocaust verschont geblieben. jetzt wird sie unfreiwillig mit ihrer vergangenheit konfrontiert und macht sich mit ihrer tante auf den weg in ihre geburtsstadt, um die grabstätte ihrer familie zu finden und sie nachträglich angemessen bestatten zu können.

sie ziehen durch das ländliche, winterliche polen; durch dörfer, gasthäuser und einen jazzclub, wo sie, stets im nonnenkostüm, einen jungen jazzmusiker kennenlernt.
diese begegnung verändert einiges in idas leben und es sieht fast danach aus, als würde sie dem christlichen leben den rücken kehren…

so wie im film nicht viele worte fallen, so braucht man auch nicht viel über ihn zu schreiben.
ein sehr beeindruckender und gar nicht langweiliger film von nur 80 minuten, der nicht nur von identitätsfindung und wiedergeburt handelt, sondern auch zeigt, wie die vergangenheit die gegenwart dominiert.

ein weiterer, starker kandidat bei den auslandsoscars 2015, der mit sicherheit unter die besten fünf kommen wird.

the world is yours,

b.

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