zwei tage, eine nacht

22 Oct

nach der filmvorführung am vormittag war meine gute laune dahin, doch war ich gleichzeitig so glücklich wie selten zuvor, mein büro zu betreten.

der belgische spielfilm zwei tage, eine nacht der dardenne-brüder nimmt stellung zur nicht enden wollenden und wohl auch nicht mehr enden werdenden wirtschaftskrise.

die geschichte: die arbeiterin sandra wird entlassen.
es sei denn, sie schafft es, in den nächsten zwei tagen ihre kollegen davon zu überzeugen, auf ihre prämie von 1000 euro zu verzichten. dann kann sie ihren job behalten.
niedergeschmettert von dieser nachricht, wirft sie gleich mal ein antidepressivum ein. eigentlich ist sie nicht mehr depressiv; sie war es eine zeitlang und deswegen im krankenstand.  im nachhinein betrachtet ein großer fehler, denn genau in dieser zeit hat man bemerkt, dass es in der abteilung auch wunderbar ohne sie funktioniert. eine person weniger kommt dem team ganz gelegen. wenn sie weg ist, können die verbliebenen ein paar überstunden schieben und etwas dazuverdienen.

es ist wochenende und sandra beginnt, von tür zu tür zu ziehen. sie fühlt sich dabei wie eine bittstellerin, jedoch hat sie keine andere wahl. bei jedem besuch der selbe monolog: meine familie ist auf das geld angewiesen, würdest du auf deine prämie verzichten und am montag für mich stimmen?

j
von verständnisvoll bis gnadenlos reagieren ihre kollegen unterschiedlich. mal siegt die nächstenliebe, mal der egoismus. sandra nimmt die antworten, wie sie fallen. sie freut sich oder sie ist am boden zerstört. alle stellen ihr dieselbe frage: wie viele haben schon ja gesagt? sie hat für jeden verständnis, der nicht auf das geld verzichten kann; anschaffungen, reparaturen im haus, das studium der kinder und so weiter. wie könnte sie es ihnen übel nehmen?

die zwei tage sind vorbei. es ist montag. die kollegen haben sich versammelt, um abzustimmen…

ein sehr nervenaufreibender film, vor allem, wenn man selbst arbeitslos ist oder es mal war. besonders die gefühlsschwankungen zwischen hoffnung und hoffnungslosigkeit kommen im film sehr stark rüber und genau diese schwankungen haben auch mich in der zeit ohne arbeit regelrecht zermürbt, dennoch ist arbeitslos sein  – wenn man das sinkende selbstwertgefühl und den finanziellen absturz nebenher lässt- heute fast schon salonfähig geworden. noch vor einigen jahren hat man sich geschämt zuzugeben, arbeitslos zu sein. heute kenne ich kaum jemanden, der es nicht schon ein mal war. arbeiter wie manager. vor der wirtschaftskrise sind alle gleich.

k
schön wär’s, wäre ein job ein garant dafür, dass wir uns, finanziell gesehen, wenigstens in der pension zurücklehnen und breitmachen könnten. die zeitungen hatten es seit monaten angedroht und es war nur mehr eine frage der zeit, bis dieses weiße kuvert von der pensionsanstalt irgendwann auch in meinem postkasten landen würde. und tatsächlich, dieser tag kam. ich hielt das kuvert nun in händen und überlegte, was ich damit machen sollte. aufmachen und jetzt schon wissen, welches finanzielle desaster mich in 20 jahren erwartete? sollte ich jetzt schon die krise bekommen und mich vor meiner zukunft fürchten? nein, auf keinen fall, ich versteckte das kuvert zwischen den dvds und verdrängte es.
doch alles verdrängte kommt irgendwann wieder zum vorschein, so auch dieses kuvert. als ich eines abends eine dvd aus dem regal zog, fiel es mir in den schoß. ich wusste, nun war es soweit.
ich schenkte mir ein glas rotwein ein, lehnte mich zurück und öffnete das kuvert.
der betrag – ein witz.
gegrinst habe ich. und den wein auf ex getrunken.

prost- auf den kapitalismus.

fast hätte ich vergessen: zwei tage, eine nacht ist nächste woche bei der viennale und ab monatsende im kino zu sehen.

the world is yours,

b.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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