eine stimme

10 May

schon einige male passiert: ich sitze in einem lokal. eine junge person nähert sich, legt ein kärtchen und ein kleines stofftier auf meinen tisch und entfernt sich wieder. halbherzig schaue ich auf das kärtchen, auf dem so was wie gehörlos, ausbildung, spende steht. nach einigen minuten kommt die person wieder und schaut mich mit fragenden augen an. nein danke, sage ich genervt, denn ich weiß, das ist eine mitleidsmasche, um den menschen das geld aus der tasche zu ziehen.

doch sollte mich ein film dazu bringen, meine einstellung diesbezüglich auf bittere weise zu überdenken: the voice of the voiceless.

die 17-jährige olga erhält ein stipendium für den besuch einer schule für gehörlose in new york, ohne zu wissen, dass ein brutaler verbrecherring dahinter steckt. so reist sie aus ihrer heimat, einem zentralamerikanischen land, in die vereinigten staaten, wo sie mit anderen jugendlichen vom flughafen abgeholt und in ein haus gebracht wird. ihre habseligkeiten werden abgenommen und auch gleich klartext gesprochen: ab jetzt muss sie in den u-bahnen der stadt solche kärtchen verteilen und betteln. sollte sie abhauen, wird ihre familie umgebracht.
bringt sie am abend weniger als 100 dollar nach hause, gibt es elektroschock-behandlungen. und auch sonst geht man mit den jungen menschen leider alles andere als gut um …

votv

eine wahre begebenheit in den 90er jahren, bei der eine familie in queens verhaftet wurde, weil sie jugendliche wie sklaven gehalten und zum betteln gezwungen hatte, inspirierte den us-amerikanischen regisseur maximón monihan zu seinem debütfilm, der vor fast sechs jahren gedreht wurde, seine weltpremiere aber erst im oktober vergangenen jahres beim mumbai film festival hatte.

the voice of the voiceless ist ohne dialoge, dafür mit einer beeindruckenden tongestaltung, die dem zuschauer ermöglicht, die umgebung, die geräusche und auch alles andere so wahrzunehmen, wie gehörlose es tun. man spürt das vibrieren der u-bahn-schienen ebenso wie das herzklopfen des mädchens, wenn es angst hat.

immer wieder sehen wir die gleichen szenen: olga wird in der früh grob aus dem schlaf gerissen, geht arbeiten, kommt am abend zurück in ihr gefängnis, liefert genug geld ab- oder aber kassiert elektroschocks, nimmt eine karge mahlzeit ein, geht ins bett, küsst ihr kruzifix, schließt die augen. am nächsten tag der gleiche ablauf; brutal aufgeweckt werden, betteln gehen, geld abliefern, ins bett gehen, das kruzifix küssen. am nächsten tag wieder und wieder und wieder, bis jeder einzelne zuseher kapiert hat, wie der alltag dieser menschen aussieht und es keinen ausweg aus dieser hölle gibt.

zwar verbringt olga den größten teil ihrer tage in der isolierten u-bahn-welt, doch schafft sie es mit der zeit, zwischendurch auszubrechen und dinge zu tun, die junge mädchen eben tun: die stadt erkunden, schaufensterbummeln oder in mexikanische imbissstuben gehen, um den geschmack ihrer heimat wiederzufinden. und genau diese szenen sind es, die dem film neben seiner brutalen realität etwas charme verleihen.
bis auf eine ältere schauspielerin sind alle darsteller laien und spielen bemerkenswert, wobei es im film fast ausschließlich um olga geht.

ein film mit einem unverwechselbaren stil über moderne sklaverei, der niemanden kalt lassen wird.

the world is yours,

b.

trailer

http://www.imdb.com/video/wab/vi2232329241/

 

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: