vom suchen und finden

27 Feb

filme über mütter und söhne interessieren mich ganz besonders, wobei ich versuche, mir keine filme anzusehen, die in einer katastrophe enden.

bei philomena wusste ich nicht, wie der film ausgeht, sondern nur, dass es um eine mutter geht, die nach ihrem sohn sucht. und ich wusste, dass ich mich lieber ungeschminkt in den kinosaal setze, denn es schien mir sehr wahrscheinlich, dass tränen fließen werden.

der politjournalist martin sixsmith hat soeben seinen job verloren. da wird er von einer frau angesprochen, die ihm von ihrer mutter, philomena, erzählt: sie bekam als junges mädchen einen sohn, der ihr weggenommen wurde und jetzt möchte sie sich auf die suche nach diesem verlorenen kind machen.
zwar ist martin von der geschichte angetan, trotzdem möchte er nicht über ein rührseliges frauenschicksal schreiben. da sich beruflich aber nichts neues ergibt, beschließt er dann doch, philomena zu treffen.

philomena erzählt… und in rückblenden erfahren wir, was damals geschah. damals, das ist eigentlich gar nicht so lange her; es sind die 50-er jahre des 20. jahrhunderts in irland…

sie wird mit 17 jahren schwanger. eine schande für die eltern, die sie in ein kloster abschieben. dort muss sie unter der herrschaft herzloser nonnen das leben einer sklavin führen. sie gebärt einen sohn, den sie eine stunde pro tag sehen darf. doch eines tages beobachtet sie, wie er von einem ehepaar abgeholt wird. sie schreit und weint, kann es aber nicht verhindern.
sie sieht ihren sohn ein letztes mal durch die rückscheibe eines abfahrenden autos…

xx
50 jahre lang hat sie ihre vergangenheit für sich behalten. in dieser zeit konnte sie lediglich herausfinden, dass ihr sohn unter neuer identität adoptiert und in die usa gebracht wurde.
martin bietet ihr an, sie bei ihrer suche zu begleiten…

ein gelungener film,den ich besonders dafür loben möchte, dass aus der traurigen geschichte kein reines tränenkino gemacht wurde. obwohl er ein schwarzes kapitel in der geschichte der kirche  und ein schreckliches schicksal zeigt, dramatisiert er nicht unnötig und lässt einen nicht deprimiert zurück. es gibt durchaus auch momente, in denen man entspannen, sogar lachen kann.

in schwachen momenten fragt sie sich: was, wenn mein sohn drogenabhängig ist und auf der straße lebt? was, wenn er in vietnam gefallen ist?
hat er überhaupt je an mich, an seine mutter gedacht? an seine irischen wurzeln, an seine heimat?

gerade diese momente waren auch für mich als mutter die schwierigsten. da es sich um eine wahre geschichte handelt, habe ich gebetet, sie möge ihren buben finden und sie mögen sich in die arme fallen und alles soll gut werden.

der film ist für vier oscars nominiert und sonntag nacht werden wir sehen, ob er auch welche bekommt. er startet heute in den deutschen, morgen in den österreichischen kinos.

philomena lee ist heute 80 jahre alt. nach eigenen angaben hat sie nie aufgehört zu beten. vor kurzem erst hatte sie eine audienz beim papst.

natürlich habe ich geweint, aber nicht so viel, wie der ältere mann, der unweit von mir saß- der hat ordentlich in sein taschentuch geschluchzt. nach dem film bin ich auf die toilette gegangen. habe tief durchgeatmet und mir das gesicht gewaschen. dann habe ich eine sms an meinen sohn geschickt, was mir sehr gut getan hat.
dann habe ich mich geschminkt, mich auf den weg ins büro gemacht und mir gedacht, diesen film würde ich mir durchaus ein zweites mal ansehen.

the world is yours,

b.

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