mein film des jahres

20 Nov

jedes jahr im november habe ich ein date mit mir selbst. in meiner linken hand eine zigarette, in der rechten ein stift, schreibe ich punkt für punkt auf, was in diesem jahr gutes in meinem leben passiert ist und was ich persönlich erreicht habe. erstaunlicherweise kommt da einiges zusammen, was mir nicht so bewusst wäre, wenn ich es nicht schwarz auf weiß vor mir stehen hätte.

auch schreibe ich auf, was ich bis jahresende unbedingt noch tun, erreichen, erledigen und erleben möchte. seit jahren standard auf dieser liste: nichtraucherin werden.

seit meiner jugendzeit ist die zigarette meine beste und verlässlichste freundin. wenn ich verliebt bin oder glücklich oder traurig, wenn ich telefoniere oder nachdenke, arbeite oder filme schaue- die zigarette ist 365 tage und rund um die uhr für mich da.

ben
wenn ich durst habe, bin ich meistens zu faul, mir ein glas wasser aus der küche zu holen. wenn ich keine zigaretten mehr im haus habe, laufe ich bereitwillig und gerne hunderte meter bei regen und eis und mitten in der nacht zum nächsten automaten. kein problem.

vor etwa einem jahr  machten sich einige veränderungen bei mir bemerkbar. ich fing an, nach jeder zigarette pfui zu sagen. ich bekam öfters kopfschmerzen, was dazu führte, dass ich mir versprach, dass jede zigarette, die ich rauchte, die letzte sein würde. kurz darauf rauchte ich die nächste und gleich darauf folgte auch die nächste selbstlüge, dass jetzt aber wirklich schluss war.
der morgen nach einer langen nacht: ich wache auf, meine lungen brennen, ich fühle mich elend. das ist die gelegenheit, nie wieder zu rauchen. am abend stecke ich mir wieder eine zigarette in den mund.

ich liege fix und fertig auf meiner yogamatte und freue mich auf die zigarette danach. das ist so was von gestört.
ich schaffe das aufhören nicht. weil ich es nicht schaffe, habe ich ständig stress. also rauche ich eine, um den stress abzubauen, obwohl ich längst weiß, dass das nur einbildung ist und rauchen keinen stress abbaut.
dann folgt das schlechte gewissen. ein tiefer zug.
dann sind die selbstvorwürfe an der reihe: ich bin schwach. ich bin sklavin meiner sucht.
etwas später die angstphase: ich werde krank, wenn ich weiter rauche. ich muss mich von dieser sucht befreien.
eine zigarette zur beruhigung.

monologe ohne ende: Ich will nicht zunehmen.
kaffee und wein ohne zigaretten? ausgehen ohne zigaretten? klingt unmöglich. denn keine zigaretten, kein spaß.
dann zurück zu punkt eins: ich will nicht zunehmen.
wäre ich ein hamster- das hamsterrad wäre für mich erfunden worden.

smo1

diese zeilen zu lesen mag langweilig sein. diese zeilen zu durchleben, ist nicht nur langweilig, sondern ehrlich nervenaufreibend. das kranke dabei: alles geschieht auf freiwilliger basis und hat mich bisher über 20.000 euro gekostet.

und jetzt zur eigentlichen sache: ich habe mir den film endlich nichtraucher! nach der methode von allen carr angesehen. vor einigen jahren hatte ich sein gleichnamiges buch gelesen und gleich weitergeschenkt, weil es nichts in mir ausgelöst hatte. ich wollte damals zwar aufhören, aber noch nicht wirklich.

ich werde den film nicht nacherzählen und schon gar nicht analysieren. sowieso habe ich  nichts neues erfahren, sondern nur dinge erzählt bekommen, die ich längst schon weiß. aber ich habe gut zugehört. zuerst hat sich ein flaues gefühl in meiner magengegend breit gemacht, gefolgt von kopfschmerzen. als der moderator im film mir eine rauchpause angeboten hat, wusste ich, dass jetzt im wahrsten sinne des wortes rauchpause für mich ist.

die pause dauert schon einige tage. noch fällt mir das nichtrauchen beängstigend leicht, noch habe ich weder entzugserscheinungen noch fressattacken.
wir werden sehen.

endlich nichtraucher! ist mein film des jahres.
in der hauptrolle: me, myself and I.

the world is mine,

b.

zuhören lohnt sich

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2 Responses to “mein film des jahres”

  1. HomeMovieCorner November 20, 2013 at 14:59 #

    Wäre dann nicht “Thank you for smoking” der richtige Motivationsfilm für dich?

    • filmmitsenf November 20, 2013 at 17:29 #

      hat alles bisher nichts genützt 🙂

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