ein gutes geschäft

13 Nov

ich habe eine sendung über die rentnersiedlung sun city gesehen, von der es mehrere exemplare in den vereinigten staaten gibt. in einer der siedlungen, in arizona, leben fast 40.000 menschen ab 55 jahren auf  37 quadratkilometern, weit entfernt von chaos und kriminalität und das in erschreckender ruhe. die infrastruktur ist gänzlich den bedürfnissen der älteren angepasst; nur einstöckige häuser, keine treppen, viel grün, sportanlagen, freizeit- und golfclubs, einkaufszentren, fast-food-restaurants und natürlich krankenhäuser.

die bewohner führen ein gesundes und aktives leben, begegnen einander mit respekt und kümmern sich umeinander. sie kennen keine einsamkeit und es gibt sogar regelmäßige singletreffs, bei denen garantiert jede dame zum tanz aufgefordert wird.

rest1verständlich, dass manche senioren das letzte drittel ihres lebens in solch einer parallelwelt verbringen möchten und können. allerdings erzählt die realität eine ganz andere geschichte, nämlich, dass die mehrheit der rentner, besonders wenn sie alleinstehend ist, mit minimalem einkommen ums überleben kämpfen muss. von harmonie und lebensfreude kann nur bei wenigen die rede sein.

auch paulette, einer rentnerin in einem pariser vorort, geht es im gleichnamigen film nicht anders. sie ist von ihrem leben so angepisst, dass sie alles und jeden hasst. da gehört ihr dunkelhäutiger enkelsohn genauso dazu, wie die jungs, die auf der straße drogen verkaufen.

doch eines tages beschließt sie, diesem armseligen leben ein ende zu setzen, indem sie dem örtlichen drogenboss vorschlägt, für ihn cannabis zu verkaufen.  anfangs wird sie belächelt, doch man gibt ihr eine chance in form eines kleinen drogenpakets, das die neo-dealerin innerhalb kürzester zeit an den mann bringt und damit auch ihre bewährungsprobe besteht. bald hat sie einen eigenen kundenkreis aufgebaut und das geschäft läuft so gut, dass die leute vor ihrer tür schlange stehen. das bleibt den jungs von der straße nicht verborgen, die ihr daraufhin deutlich zeigen, wer der boss im viertel ist.

5850_126175268028_4960302_npaulette will sich nicht einschüchtern lassen, denn längst ist sie auf den geschmack des erfolgs gekommen und auch ist sie nicht mehr die alte, arme witwe, die sie einst war.  auf keinen fall will sie auf die dealerei verzichten und schlägt den jungs eine kooperation vor, bei der beide seiten mitnaschen können.

paulette ist eine der politisch unkorrektesten filmfiguren, die ich kenne. immer und für jeden hat sie ein böses wort auf den lippen. nicht mal zu ihren freundinnen ist sie nett. bis sie eine beachtliche entwicklung durchmacht. aus der mieselsüchtigen alten frau wird langsam eine freundlichere person.
und genau das könnte man dem drehbuch vorwerfen, wenn man wollte, denn damit verliert sie genau die eigenschaften, die sie ausgemacht haben. die sonst missgelaunte hat jetzt mehr lebensfreude. sie lernt neue menschen kennen. sie kennt keine langeweile mehr. und das wichtigste, sie hat wieder ziele, für die sie kämpfen kann.
kurz: sie hat wieder ein leben.

deshalb werde ich dem drehbuch  nichts vorwerfen, denn paulettes verwandlung, auch wenn sie etwas übertrieben ist, finde ich wunderbar. existenzängste, einsamkeit und langeweile im alter sind sicher eine große strafe und ich kann mir vorstellen, dass das die menschen kaputt macht.

etwas paulette in sun city, etwas sun city in paulette und vieles wäre im lot.

the world is yours,

b.

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