prisoners

6 Nov

kindesentführung gleich doppelt – ein thema, mit dem ich mich ganz und gar nicht auseinandersetzen wollte. und das ganze 145 minuten lang an einem samstagabend. dazu zwei hauptdarsteller, die mich beide nicht sonderlich interessieren.
doch ließ ich mich zu prisoners überreden, denn ich war mir sicher, ein film von regisseur denis villeneuve wird einiges zu bieten haben.

die geschichte: zwei befreundete familien verbringen einen harmonischen thanksgiving-tag miteinander. die töchter im volksschulalter spielen vor der tür. als sie nicht heimkehren und die eltern vergeblich nach ihnen suchen, wird die polizei verständigt. eine großflächige suche beginnt und schon bald glaubt man den entführer gefunden  zu haben, doch muss er mangels beweisen freigelassen werden. einer der väter will das nicht akzeptieren und macht sich im alleingang auf die suche nach den mädchen und geht dabei alles andere als zimperlich vor.

wald1es ist winter, es ist dunkel, es ist nass, es ist kalt und die atmosphäre ist düster, düster, düster. beim schauen musste ich immer wieder an zeitungsmeldungen über verschwundene kinder denken, die ich, wie ich zugeben muss, versuche jedes mal zu ignorieren. aber hier hatte ich nicht nur eine reguläre kinokarte, sondern eine backstage-karte und befand mich damit direkt in den seelen der eltern, spürte ihre ohnmacht, ihre wut und ihre trauer ganz stark. es dauerte nicht lang, bis sich bei mir ein scheußlich-flaues gefühl in der magengegend bemerkbar machte.

nach etwa einer stunde fragte ich mich, ob ich eigentlich gestört bin, dass ich mir das freiwillig antue, geh raus, dachte ich mir, geh raus und verbringe deinen abend woanders, hab spaß. doch die anhaltende spannung und vor allem die hochgradigen wendungen in der geschichte ließen mich nicht los und ich wollte unbedingt erleben, dass die mädchen heil nach hause kehren.

der film ist bei gott keine leichte kost und es war kein lustiger kinoabend. doch sehen sollte man prisoners trotzdem, denn was ihn besonders auszeichnet, ist seine vielschichtigkeit. vieles ist nicht so, wie es scheint und die haupthandlung verzweigt sich immer wieder in neue nebengeschichten, bis schließlich alles zusammen einen sinn ergibt. das erfordert große konzentration, was in betracht der filmlänge manchmal zu einer herausforderung wird.

jake gyllenhaal als polizist und hugh jackman als verzweifelter vater spielen überzeugend; nicht zu verachten ist auch paul dano in der rolle des geistig zurückgebliebenen verdächtigen.

der kanadier denis villeneuveist ein meisterhafter regisseur. das hat er schon mit seinemoscarnominierten film die frau, die singt nach dem theaterstück verbrennungen bewiesen, das 2007 am akademietheater in wien premiere hatte. ein film, den ich niemals vergessen werde.

the world is yours,

b.

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