eine unbequeme wahrheit

28 Oct

vergangenen sommer fiel mir immer wieder eine bodenwerbung in der wiener innenstadt auf: auf einigen straßen war in ganz großen lettern das wort earthlings geschrieben. eine kurze recherche ergab, dass earthlings ein dokumentarfilm über tierhaltung und fleischkonsum ist.

auf deren internetseite fand ich den kompletten film mit deutschen untertiteln und dachte mir, aha, noch so ein film von motivierten tierschützern. ich wollte nur kurz reinschauen, aber mein gewissen ließ nicht zu, dass ich wieder ausstieg. was sich in den nächsten 95 minuten abspielte, ist das erschütterndste, was ich in meinem ganzen leben gesehen habe.

kühe1xkühe haben kein leichtes leben…

es geht um tierhaltung, tiertransporte, geflügelfarmen, schlachtereien, fischfang, hunde- und pferderennen, um  jagd und um alles sonst, was mit tieren zu tun hat. dem zuseher wird ziemlich alles serviert, was er lieber nicht sehen würde; auch, wo die süßen hundebabys herkommen, die wir kaufen oder wie es im zoo und im zirkus zugeht. oder, dass manche milchkuh ihr ganzes leben keine sekunde die sonne sieht. oder, dass es im heiligen land der kühe, indien, eine nicht zu unterschätzende kuhmafia gibt, damit wir zu unseren ledertaschen kommen.

die jagd ist die an erster stelle stehende bedrohung für tiere. 200 millionen tiere werden jährlich von jägern getötet.  ganz oben stehen wild, kaninchen und eichhörnchen.

us-regisseur shaun monson stellt hier die frage, warum der mensch mehr wert sein soll, als die restlichen lebewesen. warum er mit diesen lebewesen anstellen kann, was er will, mit ihnen umgehen kann, wie er will. und warum die menschheit diese ungerechtigkeit, dieses massaker, duldet. dabei scheut er auch den vergleich zum holocaust nicht: eine gruppe von lebewesen erleidet qualen unter der hand einer anderen.  doch leider ist für die gefangenen und opfer dieses massenmordes ihr holocaust alles andere als vorbei.earthder film ist ein zusammenschnitt von bildern, die shaun monson in tierheimen filmte und von heimlich gefilmtem bidmaterial von tierschutzorganisationen. erzählt wird die geschichte mit der  stimme von joaquin phoenix, der den humanitarian award dafür erhielt. die musik stammt größtenteils von moby.

am ende des films steht fest: eine wende ist unvermeidbar. die zeit ist gekommen, unsere essgewohnheiten, unsere traditionen, unseren lebensstil und unsere mode – vor allem aber unser denken  zu überdenken, entweder verändern wir etwas, oder wir werden von der natur dazu gezwungen werden.

es ist kein geheimnis mehr, was übermäßiger konsum von tieren bei menschen verursacht: krebs, herzerkrankungen, osteoporose, schlaganfälle, nierensteine, anämie, diabetes und so weiter.

ich bin mir nicht sicher, was mich letztendlich mehr verstört hat; die tatsache, dass die aufnahmen kaum auszuhalten waren oder die tatsache, dass ich das alles lieber nicht so genau gewusst hätte.  halbwahrheiten sind manchmal einfach viel bequemer als die ganze wahrheit. leider blieb mir nicht erspart, mir selbst die frage zu stellen, ob auch ich mitschuld an diesem horror bin und ob der fisch und das huhn, die ich letztens verspeist habe, zu lebzeiten auch so mies behandelt worden sind. und was kann und soll ich jetzt tun?

ich gratuliere zur idee der bodenwerbung;  zumindest bei mir hat sie gewirkt. nicht nur das, ich möchte gerne ein lautes danke für meinen job aussprechen. es gibt so miese, schreckliche, brutale und menschenunwürdige jobs.

grüße an alle erdlinge und guten appetit.

the world is yours,

b.

so eine welt wäre mir viel lieber

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: