zug des lebens

30 Sep

ein kleines shtetl, ein kleines jüdisches dorf in osteuropa im jahre 1941. dorftrottel schlomo verbreitet die nachricht, die nazis würden juden aus naheliegenden dörfern deportieren.
man überlegt und berät, wie man diesem schicksal entkommen könnte und beschließt, selbst die deportation der gesamten dorfbewohner ins heilige land palästina zu inszenieren. lokomotive und waggons werden gekauft, in kürzester zeit nazi-uniformen genäht, stiefel und helme besorgt. nachdem keiner der dorfbewohner freiwillig den nazi spielen will, werden sie vom rat der weisen ausgewählt- jene, die am ehesten wie deutsche aussehen, mit der germanischen kultur vertraut sind und in der vergangenheit große selbstbeherrschung unter beweis gestellt haben. es werden falsche papiere ausgestellt und in einem crashkurs sollen die falschen nazis akzentfrei deutsch sprechen lernen…

mithilfe des handbuches “wie fährt man eine lokomotive” rollt der zug richtung sowjetunion ab. aber es ist alles nicht so leicht, wie es klingt und so kommt es innerhalb kürzester zeit zu auseinandersetzungen zwischen den “nazis”, und den juden, die sich benachteiligt fühlen.

zugder film zug des lebens aus dem jahr 1998 vereint holocaust und humor- eine gefährliche kombinationen, die ein starkes drehbuch und viel mut erfordert. der mut des rumänisch-französischen regisseurs radu mihăileanu hat sich jedenfalls ausgezahlt, denn dabei rausgekommen ist ein film mit herrlich schwarzem jüdischen humor, der viele internationale filmpreise erhielt. diesem film folgten weitere zwei sehr erfolgreiche filme: geh und lebe erzählt die geschichte eines jungen äthiopischen juden, der wie tausende andere 1984 heimlich von äthiopien nach israel gebracht wurde. und das konzert erzählt von der wiedervereinigung ehemaliger musiker des bolschoi-orchesters in moskau.

der regisseur verlor selbst familienmitglieder während des holocaust. er wuchs im kommunistischen rumänien auf, lebte später einige jahre in israel und ließ sich schließlich in frankreich nieder. sein heutiges leben beschreibt er so:
„in frankreich bin ich für die leute rumäne und in rumänien bin ich franzose. ich spreche keine der sprachen akzentfrei und hatte anfangs schwierigkeiten mit meiner identität. heute sehe ich diese bikulturalität jedoch als bereicherung.“

nach dem film hatte ich einen naiven wunschtraum: die ganze welt soll ein einziges land sein, in dem kein rechtes lager vorhanden, hetze, hass, fremdenfeindlichkeit, ausgrenzung fremdwörter sind und in dem herkunft und religion keine rolle spielen. bin ich verrückt?

the world is yours!

b.

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