ilo ilo – die geschichte einer gastarbeiterin

25 Sep

das bild des gastarbeiters ist oft mit einem negativen beigeschmack verbunden, warum eigentlich.
obwohl er seit jahren, jahrzehnten in unserer heimat lebt, ist er, wie wir meinen, nicht integriert- übrigens ist dieses wort mein absolutes nichtlieblingswort. er isst,trinkt, denkt, lebt anders als wir, lernt nicht unsere sprache und irgendwie kommen wir nicht zusammen. das ist oft das bild des gastarbeiters.

wie eine gastarbeiterin am anderen ende der welt lebt und fühlt, das zeigt regisseur anthony chen in seinem film ilo ilo.

singapur 1997, zeit der asiatischen wirtschaftskrise: philippina teresa kommt nach singapur, um als kindermädchen bei einer durchschnittsfamilie zu arbeiten. sie hat kein zimmer für sich, sondern, muss eins mit dem 10-jährigen sohn des hauses jiale teilen, der sie anfangs partout nicht akzeptieren will.
doch mit der zeit freunden sich die beiden an; und jiales schwangere mutter befürchtet, dass teresa für ihren sohn wichtiger werden könnte als sie selbst. gleichzeitig macht sich die wirtschaftskrise bei der familie bemerkbar…

ilo2ein wunderschöner, sozialkritischer film, der eine globale geschichte erzählt und sich mit dem thema des fremdseins und der einsamkeit innerhalb der familie auseinandersetzt. ich frage mich, was ist das für ein krankes system, bei dem eine mutter ihr eigenes kind in der heimat zurücklassen muss, um in der fremde für eine andere mutter zu arbeiten und deren kind großzuziehen.

viele kleine details im film erzeugen eine realistische atmosphäre. die dialoge sind natürlich, kein wort zuviel; die schauspieler, vor allem der bub, spielen so authentisch, dass ich mich in jede der figuren reinversetzen konnte.
das ende des films ist, symbolisch gesehen, sehr aussagekräftig.

der 29-jährige regisseur selbst hatte ebenfalls als kind eine nanny von den philippinen. er erzählte, dass der film auf den philippinen sehr gut aufgenommen wurde, jedoch auch für viel diskussion sorgte. nach der premiere machte man sich auf die suche nach seinem ehemaligen kindermädchen… man fand sie, es kam zu einem treffen zwischen den beiden. ich fragte ihn, wie es sich für ihn angefühlt hätte. wir hatten uns 16 jahre nicht gesehen, sagte er, sie ist jetzt eine alte frau. sie trug eine tasche, die meine mutter ihr damals geschenkt hatte; sie war voll mit alten fotos von uns.

mir war zum weinen zumute, deshalb wechselte ich gleich das thema. anthony, sagte ich, ich schreibe einen filmblog in österreich. erzähl mir doch etwas, über das ich berichten kann.

ilookay, sagte er.
neun von zehn filmen, die in singapur produziert werden, sind horror oder splatterfilme. die menschen dort interessieren sich nicht sonderlich fürs kino und wenn sie ins kino gehen, möchten sie melodramen sehen. in singapur dreht sich alles ums geld. für diesen film hatte ich ein budget von nur 400.000 euro. aber wenig geld erzeugt viel kino, weil du dafür kämpfst.
in diesem film steckt sehr viel herzblut. ich habe zwei monate nur vier stunden am tag geschlafen. ich bin oft mitten in der nacht aufgewacht und bin shoppen gegangen, habe irgendwelche dinge für den film besorgt… ach ja, und die entbindung, die man am ende des films sieht, ist die entbindung der schwangeren darstellerin im film.

anthony chen ist ein freundlicher und noch gänzlich unverdorbener kerl ohne allüren. er erzählt und erzählt voller leidenschaft von seinem film , für den er dieses jahr die goldene kamera in cannes bekam und der singapurs beitrag für die oscars 2014 sein wird. ich würde meinen, er hat die besten chancen.

the world is yours!

b.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: