la vie d’adèle

16 Sep

zur zeit wird viel über den französischen film la vie d’adèle geschrieben, gesprochen und diskutiert. auch ich wollte ihn mir nicht entgehen lassen und so setzten wir uns ein paar leute in einen gesteckt vollen kinosaal…

die 15-jährige adèle aus der französischen mittelschicht ist eine gute schülerin, hat klare vorstellungen von ihrer zukunft. einen netten freundeskreis und sehr liebe eltern. ihre sexuelle erfahrung mit dem süßen tom kann sie nicht davon ablenken, dass sie sich zu mädchen hingezogen fühlt. als sie der blauhaarigen emma, eine etwas ältere lesbische kunststudentin aus intellektuellen kreisen begegnet, ist es für beide liebe auf den ersten blick.  sie beginnen eine leidenschaftliche affäre, die sich in eine beziehung verwandelt. obwohl sie glücklich miteinander sind, fühlt sich adéle gegenüber emma und ihrem gebildeten freundeskreis minderwertig und ihre eifersucht führt sie zu einer kurzschlusshandlung…

2girls11eine liebesgeschichte zwischen zwei frauen ist an und für sich nichts außergewöhnliches. was bei diesem film eher außergewöhnlich ist, ist, dass der zuschauer quasi als der unsichtbare dritte am leben der zwei frauen teilnimmt. die 180 minuten, die der film dauert, lassen genug zeit dafür, dass wir minutenlang mit ihnen am esstisch sitzen und gemütlich mitessen, dass wir belanglose wie wichtige diskussionen mitverfolgen, mit ihnen streiten und auch mal mit ihnen schweigen. sie und wir wachsen zusammen.

ach ja, da ist ja noch das schlafzimmer; auch dort sitzen wir an der bettkante und erleben den liebesakt aus nächster nähe… wir sehen leidenschaftlichen sex zwischen zwei frauen, vom kuss bis zum orgasmus. und diese szenen dauern so lange, wie sie eben auch im realen leben dauern.
zungenküsse, brüste streicheln, brüste küssen- und lecken, oralsex… wir sehen alles…

zweinach dem film haben wir relativ schnell kapiert, dass es keinen sinn macht, darüber zu diskutieren. unsere meinungen waren so kontrovers und die stimmung so geladen, dass wir beschlossen haben, wir lassen es sein. hier das protokoll unserer kurzen unterhaltung:

– hätte man die geschichte nicht auch in anderthalb stunden erzählen können?
– im kino sieht man ständig sexszenen, warum dann nicht auch zwischen frauen?
– also mir war das viel zu viel, ich will niemandem zwischen die beine schauen
– wooow
– abturnend
– gott sei dank saßen im kinosaal keine fremden männer neben mir
– das ist keine erotik, das ist porno
– ich mag keine pornos, aber das hat mir gefallen, weil der sex so gefühlvoll war
– so ein scheiß
– der regisseur hat den film gemacht, damit wir darüber reden
– ich habe keine lust, darüber zu reden
– die beiden frauen sind nervensägen
– so ein dämlicher film, ich bin nach einer stunde rausgegangen
und so weiter und so fort….

erstmals in der geschichte der goldenen palme in cannes ging der hauptpreis  gleich an drei personen, nämlich an regisseur abdellatif kechiche und seine zwei hauptdarstellerinnen lea seydoux und  adèle exarchopoulos. außerdem bekam erstmals die filmadaptierung eines comics  – blau ist eine warme farbe von julieh maroh – diesen preis.

la vie d’adèle mit der message “liebe hat kein geschlecht” ist ein intimer und intensiver film und ab dezember in den österreichischen kinos zu sehen. viel spaß.

the world is yours!

b.

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