zärtlichkeit

28 Aug

der belgisch-französische film la tendresse wird erst im oktober seine premiere in frankreich haben und wahrscheinlich nie in die österreichischen kinos kommen.

in den hauptrollen:
lisa und frans, ende 40 = eltern
jack, etwa 22 = sohn
alison= freundin des sohnes

lisa wird frühmorgens durch einen anruf geweckt, dass ihr sohn jack einen schiunfall hatte und sofort operiert werden muss. gemeinsam mit ihrem ex-mann frans, von dem sie seit 15 jahren getrennt ist, begibt sie sich auf eine autofahrt von belgien nach frankreich zu ihrem sohn. es wird eine lange und ruhige fahrt. man spricht nicht viel miteinander. ein bisschen über dieses, ein bisschen über jenes, dann ein wenig über die vergangenheit und ein wenig über das gemeinsame kind.

er fragt sie: “bist du immer noch wütend auf mich, weil ich dich damals verlassen habe?” “nein”, sagt sie, “ich bin wütend auf mich, weil ich nicht um dich gekämpft habe”. es kommt zu keiner weiteren aussprache; keine vorwürfe, keine tränen, kein geschrei. als zuschauer konnte ich nachvollziehen, warum sie sich einst geliebt haben.

jack hat die operation gut überstanden und wird auch gleich aus dem krankenhaus entlassen. die hotels im ort sind ausgebucht, so müssen lisa und frans ein zimmer teilen.
das ehemalige paar sitzt auf dem doppelbett. “schläfst du lieber auf der linken oder rechten seite?” fragt er. “schnarchst du immer noch?” fragt sie.

la tendressedie familie verbringt zwei gemeinsame tage im schigebiet. die freundin des sohnes stellt fest: “ich habe noch nie zwei so unterschiedliche menschen gesehen, die sich immer noch zu lieben scheinen”. ja, tatsächlich, lisa  und frans passen gut zusammen und eigentlich hätten sie auch miteinander alt werden können. und obwohl jack es sich nicht anmerken lässt, ihm gefällt es, nach jahren wieder mit seinen eltern an einem tisch zu sitzen.

nach diesem unfreiwilligen ausflug brechen die drei richtung heimat auf. das war’s.

das leben hat seine regeln. wenn man etwas gar nicht will, wird man manchmal durch ein ereignis dazu gezwungen, sich dem zu stellen. vielleicht dachte man jahrelang, dass man einem menschen nichts mehr zu sagen hat. doch dann schaut man sich wieder in die augen. man nähert sich einander. zu einer aussprache kommt es dabei vielleicht nicht, aber das ist auch gar nicht wichtig.

ein bittersüßer film für menschen mit lebenserfahrung.

the world is yours!

b.

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