billy wilder und wien

29 Mar

vor ein paar tagen spazierte ich durch die innenstadt richtung büro und obwohl ich diesen weg schon dutzende male gegangen war, entdeckte ich zum ersten mal das haus, in dem billy wilder während seiner schulzeit gelebt hatte.

wien
samuel wilder
wurde 1906 in polen geboren und zog 10jährig mit seiner familie nach wien. sein stiefvater betrieb hier eine forellenzucht und führte eine zeitlang ein bankgeschäft.

wilder besuchte ein realgymnasium im achten bezirk, teilweise saß er sogar mit fred zinnemann in einer klasse. nach der matura studierte er für kurze zeit jus, arbeitete dann als journalist für die magazine die stunde und die bühne. trotz bemühungen bekam er die österreichische staatsbürgerschaft nicht. 1926 zog er nach berlin, 1933 nach paris und ein jahr später in die usa.

dort teilte er sich anfangs zimmer und essen mit peter lorre und nannte diese zeit “the low calorie years”. er wurde ziemlich bald amerikanischer staatsbürger und bekam als drehbuchautor verträge bei filmstudios in hollywood. anfang der 40er jahre starben seine mutter und sein stiefvater im konzentrationslager.

seine versöhnung mit wien dauerte sehr lange, erst 1984 nahm wilder die einladung des damaligen bundeskanzlers franz vranitzky nach wien an, wo ihm die ehrenbürgerschaft der stadt verliehen wurde und die gedenktafel an dem haus angebracht wurde. angeblich hat er den exkanzler eingeladen, in einem seiner filme mitzuspielen.

Image
seine frühere heimat wien dürfte ihn nie ganz losgelassen haben, denn in seinem film extrablatt sagt ein verletzter psychiater: “bringen sie mich bitte in das AKH in der alserstraße. ich vertraue nur österreichischen ärzten”. auf seiner terrasse in los angeses hatte er angeblich eine echte wiener bassena.

dass er zu einem „echten“ amerikaner wurde und eine große karriere hinlegte, hängt natürlich mit seinen talenten und seinem jüdisch-europäischen humor zusammen. doch maßgeblich daran war auch seine lebenseinstellung: während die meisten emigranten um ihn herum sich eben als emigranten fühlten, wusste wilder, dass er in den usa am ziel angekommen war.

der schlusssatz im film manche mögens’s heiß, “well, nobody’s perfect” zählt zu den besten der filmgeschichte. das führte wilder auf seinem grabstein fort: “I’m a writer but then nobody’s perfect.”

im dritten bezirk gibt es die billy-wilder-straße, die akademie des österreichischen films vergibt jährlich den billy-wilder-award.

ich betrat das haus und berührte die wandfliesen im stiegenhaus. mein herz klopfte bei der vorstellung, dass klein-billy genau da, wo ich jetzt stand, auch gestanden, gelacht und gespielt hatte. vienna rocks.

the world is yours!

b.

sense of humour

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